05 August 2007

Ein actionreicher Tag bei den Muches

Als Bodo „Aufstehen“ rief, waren wir auch schon fast in unseren Klamotten. Nicht weiter schwierig, wenn einen ein Frühstück mit Toast, Ei und allem drum und dran erwartet!
Frisch gestärkt schlurften wir zu den Tieren. Als Erstes widmeten wir uns Grub, dem wohl einzigen überlebenden Känguru von ehemals fünf. Die anderen vier sind wahrscheinlich Dingos zum Opfer gefallen. Sehr traurig zu hören, wenn man sie alle noch vor acht Monaten putzmunter und fidel durch das Gehege hat hoppeln sehen und sie füttern durfte… auch die zwei Schafe von damals waren nicht mehr am Leben – ebenfalls waren Dingos für ihren Tod verantwortlich. Nun erwarten Bodo und Robyn demnächst einen professionellen Dingokiller…


Mignon und Muchacha, die beiden Pferde, waren noch wohlauf, und heute war ein großer Tag für sie: Es kam eine Pferdeflüstererin zu Besuch, die Robyn in den liebevollen Umgang mit Pferden einwies. Bodo hatte bereits etwas mehr Erfahrung und konnte die vorgemachten Übungen mit Leichtigkeit wiederholen. Der Versuch, auf einer der beiden Stuten zu reiten, scheiterte jedoch…


Tim, Laura und ich begannen mit dem Flicken von Woolly’s Rostflecken, damit Robyn und Bodo wenigstens ein bisschen Zeit zum Schaffen hatten. Nach dem Mittagessen zeigte uns Bodo seine Werkstatt, Tim bastelte mit Robyn am PC und ich musste mich einer weiteren Reifeprüfung am Schachbrett gegen meinen Lehrmeister unterziehen. Auf Grund mangelnder Praxis in den vergangenen Monaten konnte ich allerdings wieder keine völlig befriedigende Leistung abliefern, doch ich sei auf dem richtigen Weg, meinte Bodo nach seinem Sieg.


Im Gästezimmer widmete ich mich dem Entwurf des dritten Südkurierartikels, bevor wir drei mit Robyn und Bubi eine Runde spielen gingen. Vor dem Abendessen nahm uns Bodo mit auf Koalasuche, mit leuchtstarkem Scheinwerfer und Hilux ging es die Straße hoch und runter, doch leider blieb die Suche erfolglos.
Robyn bereitete in der Zwischenzeit das Abendessen vor, wir spachtelten feine Kürbissuppe mit Gemüse und Fleischstückchen, Bodo grub einen edlen Wein aus und ließ Tim & Laura Bundi Cola probieren, ein sehr australischer Mix aus Cola und Bundaberg Rum.


Hernach war der Tag für unsere Gastgeber beendet, Tim und Laura schalteten den Fernseher an und ich versuchte, nebenher blog zu tippen, scheiterte jedoch kläglich bei diesem Versuch und gesellte mich zu ihnen vor den Fernseher, um als gemütlichen Tagesausklang „Email für dich“ anzusehen.

04 August 2007

The day I lost my backpack

Heute fliegen vier Kaisers nach Botsuana! Und der Fünfte im Bunde weilt in Australien. Deutschland, ade? Wünsch euch jedenfalls ganz viel Spaß, liebe Familiengenossen!


Zur Feier des Tages gab’s direkt nach dem Aufstehen mal wieder eine Dusche, und obendrein sogar noch eine Warme! Herrlich. Da schmeckt das Müsli gleich doppelt so gut! :-)
Tim und seine Weggefährtin Kathi setzten sich in ihren Van, und wir fuhren ihnen hinterher zum Autoladen, um uns mit Rostlochfüllpaste und Farben auszustatten. Ich für meinen Teil hatte meine Gedanken allerdings nicht ansatzweise bei der Sache: Mein Rucksack, den ich gestern so glücklich abgesetzt hatte, war nicht von selbst in den Van gehüpft – und deshalb in jener Straße stehen geblieben, in welcher wir geparkt hatten. Waaaaaaaahhhhh….
Tim zeigte uns noch einen guten Second-Hand-Reifenladen, dann verabschiedeten wir uns und gingen getrennter Wege.


Wir drei Woollyinsassen knatterten schnurstracks in jene Straße, wo ich meinen Rucksack zu finden erhoffte, aber der war natürlich längst weg. Also ab zur Polizei, kannte ich ja schon von der Kamera in Cairns, und genau wie in Cairns interessierte es die Leute auch nicht wirklich. Haja, mal wieder ein Backpacker, der nicht auf seinen Kruschd aufpassen kann. Ich musste ihnen zustimmen.
Das Konto ließ ich sofort sperren, und kritzelte verzweifelt noch 200$ Belohnung auf drei Blätter Papier und verteilte sie die Straße entlang. Super. Ausweis weg, PC-Ladekabel, Foto-CDs und –DVDs, Autoschlüssel, Geldbeutel mit allen Karten und ziemlich viel Bargeld und einige persönliche Sachen. Wie blöd kann man eigentlich sein? Hallo?
Bodo und Robyn mussten wir nun erneut anrufen, dass wir noch viel später kommen würden als geplant. Auf dem Weg auf die Farm erstand ich gleich ein neues PC-Ladekabel, einen Autoschlüssel und CDs, der Rest konnte bis nach dem Wochenende warten.
Endlich erreichten wir die mir so wohl bekannte Farm, die Sonne war bereits untergegangen. Bodo und Robyn empfingen uns alle drei herzlich wie alte Freunde, als Ankunftsmahl wurde der BBQ angefeuert und reichlich mit Steaks, Würstchen und selbst geschossenem Hirsch beladen.


Gerade als das Fleisch am Lautesten brutzelte, klingelte plötzlich das Telefon: Robyn nahm ab und winkte mich bald herbei: Ein Kerl meinte, er habe meinen Rucksack mitsamt ganz viel Zeug in seiner Mülltonne gefunden!!! Geld sei zwar keines mehr drin, aber der Geldbeutel und dergleichen seien noch vorhanden! Na, wenn das mal keine guten Neuigkeiten waren…


Wir tafelten fürstlich, schwatzten viel und verabschiedeten uns schließlich, Tim, Laura und ich ins Gästezimmer, welches ich einst ganz alleine bewohnt hatte, und doch hatten wir noch massig Platz! Gemeinsam schauten wir uns Poseidon an und schlupften hernach unter die Decke, gespannt auf einen erlebnisreichen Tag auf der Muche-Farm.

03 August 2007

Back in Brisbane

Nach gerade mal acht Stunden Schlaf schafften wir bereits den Sprung in die kalte Morgenluft, füllten unsere Mägen mit Müsli und knatterten weiter den Highway hinunter, auf der Suche nach Wärme. Fanden taten wir Sonnenschein, blauen Himmel – und einen Aldi!


Gleich mal reinspaziert, die Dinger sind exakt so eingerichtet wie in Deutschland! Und laut einem unabhängigen Test auch noch billiger als die großen australischen Supermarktketten. Nur gibt’s keine 100g-Tafeln RitterSport. Fand ich sehr bitter.
Also gab’s bei McDonald’s halt wieder ein Eis, genug Wegzehrung, um bald darauf Brisbane zu erreichen. Groß ist die Stadt, fast wie damals, aber damals musste ich nicht Auto fahren. Musste ich diesmal auch nicht, aber der Tim tat mir schon ein wenig Leid, da so am Steuer hinter hunderten von Autos, von zahlreichen Ampeln gepiesackt und mit einer äußerst undurchsichtigen Straßenführung konfrontiert.


Ich erinnerte mich noch an den geschicktesten, kostenlosen Parkplatz, wir packten ein wenig Kruschd zusammen und stiefelten Richtung Stadt. Tim und Laura erkundeten die Hauptshoppingstraße auf der Suche nach Schokolade, Postkarten und einem Burger für Tim, während ich mich im Internet der Bibliothek über das 2. Visum und dessen Bedingungen aufklären ließ. Ziemlich cool, ich glaube, ich bin exakt die geeignete Person dafür, sollte mich umgehend bewerben. Und wenn ich meine Reisepassnummer auswendig gewusst hätte, hätte ich es auch gleich getan.


Dem war aber nicht so. Tim und Laura kehrten zurück, surften ihrerseits noch ein wenig, bevor wir uns auf den Weg zurück zum Van machten. Ich war froh, den schweren Rucksack abstellen zu können, packte den Laptop ein und ab ging die Post, raus aus Brisbane, zu einem gemütlichen Campingplatz.


Dort trafen wir geplanter Weise auf Tim. Tim kenne ich seit einigen Monaten über’s Internet, einst meldete er sich als potentieller Käfer von Woolly bei mir, nun hat er seinen eigenen Van.
Seine Nachbarn, ein engländisches Pärchen, gaben mir zahlreiche Tipps für den Verkauf meines geliebten fahrbaren Untersatzes, von wegen Rost weg und neue Reifen her. Klingt easy. Nur, dass derzeit eine schlechte Verkaufszeit für Autos sein soll, fand ich nicht so motivierend, sie empfahlen, bis Dezember zu warten und die Karre dann auf den Markt zu werfen, der Preis würde sich bis dahin mehr als verdoppeln. Bin gespannt, was ich tun werde.
Das Pärchen hüpfte in die Heia, wir setzten uns mit Tim an einen Tisch und laberten noch einige Stunden, tauschten uns über die coolsten Erlebnisse, Campingplätze und Planungen aus und krochen schließlich um Mitternacht ermüdet in die Koje…

02 August 2007

Im Winter faul am Strand

Zum Frühstück gab’s allerfeinste Pancakes. Ausnahmsweise war Tim aber mal weniger zum Essen zu begeistern, wir hatten direkt neben einer Bahnlinie genächtigt, und so hielt er nun fleißig nach Zügen Ausschau, zusammen mit drei Bauarbeitern, die dies wohl als ihren Beruf ansahen. Wir haben inzwischen Gefallen daran gefunden, all diesen neongelb und hellorange angezogenen Menschen beim Nichtstun zuzuschauen… und davon gibt’s eine ganze Menge!


Weiter ging unsere Reise in das historische Städtchen 1770. Es gibt Menschen, die behaupten, hier sehe noch alles so aus wie zu Captain Cooks Zeiten, doch meiner Meinung nach ist inzwischen alles genauso touristisch wie der Rest der Ostküste. Mit einem Vorteil: Im Winter zieht es keinen hierher an den Strand. Könnte aber auch daran liegen, dass viele Touristen auf Grund schlechte Übersetzungskünste der Einheimischen vergrault wurden…


Deshalb lagen wir ziemlich einsam auf weichem Sand, sonnten uns, ich schaute mir die Umgegend ein wenig genauer an und wir alle erfrischten uns beim Planschen in den kühlenden Fluten eines sich zurückziehenden Meeres.
Wir genossen die Ruhe, nur gestört vom Vogelgezwitscher und dem Meeresrauschen, dösten ein wenig vor uns hin und konnten uns kaum einen tolleren Platz zum Relaxen vorstellen.


Nach ausreichender Bräunung wechselten wir bei sich senkender Sonne unseren Standort in ein gemütliches, kleines Hüttchen mit Stromanschluss, in der Nähe eines BBQs. Tim holte Woolly, ich stöpselte meinen PC an und tippte einige Seiten blog, während Tim & Laura Postkarten schrieben und Bücher lasen. Frieden pur.


Im Caravanpark gab’s für uns alle eine Dusche, und wie neugeboren begannen wir eine Nudelkoch- und Futtersession, während die letzten roten Lichtstrahlen hinter dem Horizont verschwanden. Schließlich ward Zeit zu gehen.


In Marian Vale, jenem Dörfchen, in dem ich einst mit Gary auf einem Schulfußballplatz gezeltet hatte, fanden wir eine nette Seitenstraße mit öffentlichen Toiletten, sodass all unsere Ansprüche für den Moment komplett befriedigt waren und wir uns getrost ins Bett werfen konnten.

01 August 2007

Tag der Konstrukteure

Nach dem Frühstück war mal wieder Zeit für eine Rasur, fand ich jedenfalls, Tim guckte sich um, Laura nutzte die freien Minuten für eine schnelle Dusche. Wir pumpten unseren Tank bis zum Anschlag voll, einfach, weil uns der Benzinpreis von nur 1,20$ unschlagbar günstig vorkam, bevor wir weiter nach Süden bretterten.
In einem lustigen, kleinen Dörfchen direkt am Highway machten wir Mittagspause, ganz lässig mit Eis, Avocados und Sandwiches. Tim aß hierbei die erste Avocado seines Lebens! Sachen gibt’s…


Mit vollem Bauch wurde telefoniert: Erst einmal die Versicherung wegen unserem Autounfall, danach die Kirchengruppe aus Cooroy, ob sie nicht Lust und Zeit auf einen BBQ hätten, und last but not least kamen Bodo & Robyn an die Reihe, denen wir unseren baldigen Besuch ankündigten.


In Rockhampton konnten wir endlich mal wieder gratis surfen, wenn auch nur für eine halbe Stunde. Hernach kauften wir ein und ich lud mein Handy wieder auf. Bitter nötig, nachdem alle unsere Handys zusammen gerade noch 10$ Guthaben aufweisen…
Von den frisch erstandenen Süßigkeiten wurde Laura und mir schlecht, Tim fühlte sich toll. Luke und Michelle teilten uns mit, dass sie morgen leider keine Zeit hätten. Wir haben nach morgen leider keine Zeit mehr. Doof.
Die Zeit vertrieben wir uns mit Bauarbeiten, erst bastelten wir eine Brücke, dann einen Truck und schließlich noch ein männliches Glied. Spaß muss sein. Schließlich konnten wir sogar noch einen Woolworths-Einkaufswagen voll füllen, inklusive genauester Produkt-, Mengen- und Preisbeschreibung. So weit ist es schon mit uns gekommen…


Am Abend fanden wir ein gemütliches, kleines Dörfchen mit großem Parkplatz. Sofort hielten wir an, Tim telefonierte mit seiner Oma, wir kochten Reis mit süßer Senfsoße und hüpften nach einer Runde Personenraten in die Heia.