27 Februar 2008

Viel Stress von Nichts?

Was ich getan habe die letzten 19 Tage? Irgendwie nicht viel. Und doch kamen sie mir sehr voll vor. Zuerst einmal wurden knapp 20 Sachen bei ebay verkauft. Software. Ein Laptop. Ein Dart-Spiel. Kameras … alles, was halt irgendwie mal raus musste aus der Bude. Dazu wurden natürlich reichlich Werbetexte geschrieben, Bilder gemacht, Preise mitverfolgt… was halt alles dazugehört.


Des Weiteren gingen die Wiedersehen weiter. In Friedrichshafen wurde getanzt. Meine Zimmerwanddeko wurde ein wenig überarbeitet. In Konstanz stand Kathi’s Geburtstag auf dem Plan, ein Wiedersehen nach vielen Jahren. Mit Kev chillte ich in der Therme. Mit Lisa wurde die Nacht zum Tage. Klari meisterte, lautstark aus der letzten Reihe angefeuert, ihre Moderation beim Amerika-Abend. An meiner alten Schule ließ ich mich über ein Solarprojekt informieren. Mit Laura wurde Kuchen gebacken. Nina sah ich seit knapp 4,5 Jahren mal wieder auf ne Coke. Kev’s Hockeymannschaft wollte angefeuert werden. In der Tanzschule schwang ich meine Beinchen. Mit der Partygang ging’s (ungeplant) in die Schweiz. Mit der family zum Essen. Mit Fabienne spazieren. Und obendrauf kamen noch viele, viele Mails, Guestbook- und Pinnwandeinträge, Telefonate, SMS… doch die meiste Zeit ging an meine geliebte Freundin Isabel in Tasmanien, mit Fotoshootings, Briefen, Telefonaten, skypereien, Kurznachrichten und einem fortwährenden Gedanken… ich glaube nicht, ich weiß es: Der Chris ist verliebt!


Morgen beginnt wieder ein neuer Abschnitt meines abwechslungsreichen Lebens: Ich fahre um 6am in den Norden, ins Sauerland, um mich dort innerhalb einer Woche zum Animateur ausbilden zu lassen. Was mich erwartet, weiß ich noch nicht genau – nur, dass wir 7 Tage in einem 4*-Hotel bezahlt bekommen, um ein knallhartes Programm zu absolvieren. Was immer da kommen möge – ich bin bereit, es krachen zu lassen!

08 Februar 2008

1 Bewerbung, 2 Jobs - und schon ist der Chris wieder ein Honigkuchenpferd!

Am Sonntag hatte mein Bruder Geburtstag. Und er wusste noch nicht, dass ich wieder zurück gekehrt war. Er sollte es jedoch bald erfahren.
Die Eltern hatten ihn zum Kaffee eingeladen. Er ahnte nichts Böses, und bemerkte so auch nicht den überlauten Pfiff, den Volker bei Kev’s Ankunft als mein Zeichen verlauten ließ.
Ich schlich mich geschwind durch den Garten hinaus, um das Haus herum und stand also nun vor der Haustür. Schnell zückte ich mein am Tage zuvor erworbenes Handy, und rief zu Hause an, um Kev zu gratulieren. Zeitgleich läutete ich.
Kurz darauf öffnete Kev die Tür – in der einen Hand das Telefon, über das ich ihm erzählt hatte, ich wolle aus Australien gratulieren, und in seinem Blick – Fassungslosigkeit. Regungsfrei stand er vor mir, starrte mich an, starrte auf das Telefon, und anschließend wieder zu mir. Nach vielen, vielen Sekunden, die mir vorkamen wie eine knappe Viertelstunde, schrie er plötzlich drauflos, sprang auf mich zu und fiel mir um den Hals! Heißa, solch einen Emotionsausbruch hatte ich nicht erwartet! :-)

Wir drückten uns um die Wette, und er wiederholte mehrfach, wie cool und unglaublich das denn sei, dass ich wieder da bin. Es ist schön, wenn man so ehrlich herzlich empfangen wird. Huhu, Püdasin! *g*


Es folgten noch einige unangekündigte Besuche mehr: Jasi hatte am selben Tag Geburtstag, und wurde mit einem bunten Kuchen aus der Küche von Laura, Tim & mir überrascht, Oma Lieselotte besuchten wir am nächsten Tag, jedoch leider, ohne dass sie sich hätte groß an mich erinnern können, Oma Herlinde hingegen war riesig glücklich und tischte gleich mal Kassler mit Sauerkraut und Kartoffelbrei in Massen auf, meine Patentante Mone hüpfte wild schrie, als wolle sie sämtliches Glas in Scherben kreischen, Uli begrüßte mich gelassen mit den Worten, er habe mich erwartet, auf den Hemdglonkerumzügen traf ich Freunde, Zock- und Fußballkollegen, verflossene Liebschaften, Schwärmereien, Partygangster, Pauker & unbekannte Bekannte… im schlimmsten Fall muss ich dann immer auf das Telefon zurückgreifen…


Nebenher schmiede ich fleißig Zukunftspläne. Durch die Texterei für sinnlose Software bei ebay kam mir der Gedanke, Werbetexter zu werden. Oder auch: Kommunikationswirtschaftler mit dem Schwerpunkt Werbung. Mal sehen, wie sich dieser Gedanke weiterentwickelt.
Aber verstärkt kümmere ich mich um die nahe Zukunft: Erst einmal wollte ich arbeiten, bis Anfang Mai, um wieder Geld zu verdienen, dann einen Monat mit meiner lieben Freundin verbringen, um anschließend als Animateur in den Süden zu reisen, um dort Leute zu lustigen Taten anzuregen. Ob das geklappt hat?

Folgendes: Die Bewerbung für TUI hatte ich via Internet bereits aus Asien abgesandt, und war zum Vorstellungstermin am 7.2. geladen worden. Das war gestern. Die Sache war ziemlich easy, ein munteres Zusammensein von 13 Gleichgesinnten, eine kurze Präsentation seiner selbst und eine schnelle Animation der Mitbewerber – mein Sirtaki fiel auf fruchtbaren Boden. Am Nachmittag sagte man mir eine Stelle als Allroundanimateur zu. Als Sportanimateur sei mein Potential wohl nicht vollends ausgeschöpft, da ich sicherlich auch Kinder zu seltsamen Spielchen begeistern könne, so das Urteil der beiden Personaler. Gar kein Ding. Einverstanden. Und 11 der 12 Mitbewerber wurden auch genommen. Super Sache!


Am Abend erhielt ich einen mysteriösen Anruf. Ob ich in Berlin wohne, mich im Großraum Brandenburg befinde, an der technischen Universität studieren würde oder mich für einen Job im CallCenter beworben hätte. Nachdem ich alle vier Fragen verneint hatte, erwartete ich das Ende des Telefonats, als die Frau alle Register ihres Könnens zog und mir ein Jobangebot unterbreitete, bei dem ich für 15€/h ein wenig in der Gegend herumtelefonieren solle. Und das für exakt acht Wochen! Ich willigte ein.
Minimal misstrauisch war ich geworden, und so rief ich Tim an, meinen alten Freund und Kupferstecher. Er gestand, mich in eine Kontaktliste eingetragen zu haben, ich dürfe bei ihm wohnen und er würde mir zeigen, wo ich arbeite und dergleichen. Easy. Gebongt. Ich fahre nach Berlin!


Da frage ich mich: Was will man mehr? Aus einer Bewerbung resultierten zwei Jobs, und beide scheinen mehr als toll zu sein. Ich strahlte mal wieder wie ein Honigkuchenpferd, und schlief selig neben meinem Vater in der Wohnung meines Onkels in Leonberg ein…

Das trug sich alles gestern zu. Heute Morgen sind wir drei Herren aus Leonberg an den Bodensee gefahren, Onkel Gerald versucht, unsere Fernsehanlage wieder in Gang zu bringen, und ich versuche, zu realisieren, dass das alles kein Traum sein soll. Es ist so unfassbar toll!!!

02 Februar 2008

Auf nach Pflichten sich richten ist zu verzichten

Viel Zeit zum Heulen blieb allerdings nicht. Nur wenige Stunden später liefen bereits wieder die Vorbereitungen für Fastnacht auf Hochtouren: Hemdglonkern war angesagt! Eine Party ohnegleichen.

Schön weiß eingekleidet ging es ab ins Radolfzeller Nachtleben – und vor Allem an Fastnacht ist das ziemlich stark frequentiert. Zu lauter Musik hüpften viele tausend Gestalten die Straßen auf und ab, von denen mehr als einer ordentlich dem Alkoholgenuss frönte.


Ich frönte vielmehr dem Genuss vieler, altbekannter Gesichter, die sich sichtlich freuten, mich wieder zu sehen. Einige erkannten mich auf der Stelle, manch einer nicht mal bei genauerem Hinsehen – aber spätestens, nachdem ich mich zu erkennen gegeben hatte, lagen wir uns Arm in Arm im Arm, oftmals ziemlich lange.

An Fastnacht treiben sich die meisten Radolfzeller Figuren auch tatsächlich in Radolfzell herum, kehren aus ihrer Unistadt nach Hause oder machen Urlaub von der Arbeit. Es war eine berauschende Feier, die am Tage drauf in Konstanz fortgesetzt werden würde.


Feiern habe ich in Australien nicht verlernt. Dafür aber den deutschen Smalltalk. Beim Bäcker bestelle ich stets auf Englisch, an der Kaufhauskasse bedanke ich mich mit „Cheers, mate“, und unerwartet oft drehe ich mich um, wenn neben oder hinter mir jemand auf der Straße deutsch spricht.
Mein Vokabular hat weniger nachgelassen, als ich es erwartet hätte, mein Zimmer wird nach und nach wieder eingeräumt, und von Klarissa, Volker und Kevin suche ich mir so langsam alle Sachen zusammen, die sie im Laufe der Monate entwendet haben.
Mit Isi chatte, maile, skype, telefoniere und simse ich regelmäßig, meine Fotosammlung bedarf dringendst einer eingehenden Sortierungssession, und ansonsten gibt es für Rückkehrer stets eine Menge zu tun: Der Doc musste meine Leber prüfen, der Hautarzt hätte meine Muttermale begutachten sollen, bei der Rentenversicherung muss ich mich mal über das deutsche Versicherungssystem informieren, zwei Steuererklärungen (06 & 07) sind zu erledigen, Online-Banking brauche ich endlich, und obendrein haben Timo & ich beschlossen, einen ebay-Shop zu eröffnen, um unser Taschengeld aufzubessern.


Es gibt also eine ganze Menge zu tun, zurück am Bodensee. Und dennoch versuche ich, soweit wie möglich, Verwandten- und Freundesbesuche einzurichten, meinen weiteren Werdegang zu überdenken und mich mit dem Gedanken abzufinden, dass meine Weltreise wohl fürs Erste vorüber sein könnte…